preload
Dec 20

Peter Heilands vierter Fall arbeitet sozialkritisch die in Berlin vorherrschenden Gesellschaftsstrukturen auf und ist dabei zugleich ernst und komisch. Mit einfühlsamen aber doch unverschleiertem Blick legt Huby den Finger in die Wunden der Berliner Jugend. Zwischen Ausgrenzung und selbst herbeigeführter Disztanz handeln Jugendliche mit Migrationshintergrund und Huby versucht, den Leser sanft mit dem Blickwinkel ebendieser Jugend vertraut zu machen.

Wer heutzutage einmal in der U-Bahn einer Ansammlung von Jugendlichen gegenüber saß weiß, dass ein Satz wie “Dich mach ich urban, du Opfer!”1 durchaus nicht nur der Fantasie des Autors entspringen. Dabei ist natürlich “urban” ein Begriff, der wegen der regionalen Bedeutung so nur in Berlin – und hier hauptsächlich im Stadtteil Kreuzberg – vorkommt. Es bedeutet, dass jemand krankenhausreif geschlagen wird, um anschließend ins Urban-Krankenhaus eingeliefert zu werden.

Im Verlaufe des Krimis treffen sich unterschiedlichste Handlungsstränge, die zu einem großen Ganzen verfließen, dennoch aber ihre eigenen Geschichten erzählen. So erfährt der Leser Privates über die Kommisare und bekommt vermeintliche Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten mit Migrationshintergrund.

Durch detailierte Beschreibungen von Schauplätzen kann sich der Leser sehr gut ins Geschehen eindenken. Straßennamen, Parks und Plätze, alles versetzt den Leser nach Berlin. Null Chance begeistert mit unkonventionellen Blickwinkeln, brutal-realistischen Darstellungen und authentischen Figuren. Möglicherweise ist der Krimi des Schwäbischen Autors gar dazu geeignet, das Ansehen der in Berlin allseits belächtelten und ungeliebten Schwaben zu stärken. Schließlich ist Peter Heiland ein moderner Vertreter seines Völkchens. In der weitläufigen Hauptstadt findet er sich zurecht, er hat eine Berliner Freundin und schwäbelt so gut wie nie.

Felix Huby’s Null Chance erzählt die Geschichte von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die entweder null Chance haben, oder sich so ins Abseits manövrieren, dass ihre Chance auf ein gutes Leben auch gen Null streben.

  1. Huby, Felx, Null Chance (Frankfurt: S. Fischer Verlag, 2011), p. 35.

Leave a Reply